Die E-Zigarette und die Auswirkung auf die DNA

Veröffentlicht am: 07.06.2018 14:16:09
Kategorien: Themen Rss feed

Die E-Zigarette und ihre DNA

Wenn man aus der Diskussion über E-Zigaretten und ihre Auswirkungen auf den menschlichen Organismus eines gelernt hat, dann ist es die Gefahr von Halbwissen unausgereifter Forschung. Seit über 15 Jahren gibt es die elektronische ‚Rauchware‘ schon und trotzdem gibt es noch keine wirklich absoluten Ergebnisse (zumindest nicht solche, die man sich von medizinischer Forschung erwartet).

Alles, was man wissen wollen würde, ist doch eigentlich nur, ob E-Zigaretten nun gesundheitsschädlicher sind als herkömmliche Zigaretten oder umgekehrt. Dass keines der beiden die Gesundheit fördert, wird sich nicht bestreiten lassen.

Besonders eine neue Studie erhitzt die Gemüter: sie besagt, dass das Nikotin in den E-Zigaretten im Körper derart verwandelt wird, dass die DNA angegriffen werden kann und die Zellen schließlich Krebstumore ausbilden könnten. In folgendem Beitrag versuchen wir ein bisschen Licht ins Dunkel der Forschungsergebnisse und der Diskussionen zum Thema zu bringen.

 

Das Hauptproblem der E-Zigarettenforschung: fehlende Langzeitstudien

‚Normale‘ Zigaretten gibt es seit mehreren hundert Jahren. Sie gab es schon, bevor wir überhaupt die wissenschaftlichen Mittel besaßen, die Folgen der Zigaretten zu erforschen. Mit der Zeit kamen die Mittel und die Ergebnisse und man fand Schritt für Schritt und in Langzeitstudien heraus, welche Folgen Zigaretten haben.

Diese Studien dauern zumeist mehrere Jahrzehnte. E-Zigaretten gibt es aber in der Form, die wir heute kennen, erst seit knapp 15 Jahren – nicht genügend Zeit für die Forschung, um signifikante Ergebnisse liefern zu können. So ist es auch bei aktuell besprochenen Studien.

 

Was besagt die neue Studie zu E-Zigaretten?

Die Studie, durchgeführt auf der New York University School Of Medicine, wurde im Januar 2018 in den „Proceedings of the National Academy of Science of the United States of America” online publiziert und fand heraus, dass E-Zigaretten ‚rauchen‘ DNA-schädigende Wirkung auf Mäuselungen, -blasen und -herzen ausübt. Dafür seien die aus Nikotin abgeleiteten Nitrosamine verantwortlich, die in weiterer Folge – so die Wissenschaftler – Krebs verursachen könnten.

Die Tests wurden an Mäusen und menschlichen Zellen (an menschlichen Lungen- und Blasenzellen) durchgeführt, wobei sie zwölf Wochen lang jeweils drei Stunden täglich dem Dampf von E-Zigaretten ausgesetzt waren.

Aus einigen Ecken liest man, bisher sei das Nikotin aus E-Zigaretten (im Vergleich mit jenem aus verbranntem Tabak) als harmloser betrachtet worden, es hätte außer dem Suchtpotential keinerlei gesundheitliche Folgen. Das scheint mit der aktuellen Studie (und wahrscheinlich auch mit anderen) widerlegt zu sein.

Kurz und bündig suggeriert der Artikel also, dass E-Zigaretten die DNA angreifen und die DNA-Reparatur beeinträchtigen und somit zu Krebs führen können.

 

Probleme beim Versuchsaufbau der Studie: Kritik nicht nur aus Dampferkreisen

Bei einem so kontroversen Thema ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Aussagen der Wissenschaftler auch auf wenig empfängliche Ohren stoßen – immerhin machen diese und ähnliche Studien den Traum vom gesundheitlich unbedenklichen Nikotinkonsum zunichte. Doch es sind nicht nur die Konsumenten selbst, die durchaus berechtigte Kritik an der Studie üben.

Rauchen oder Dampfen?

Stutzig gemacht hat die Dampfercommunity vor allem bereits der Titel bzw. die Begrifflichkeiten im ganzen Artikel. Statt von vaping (dt. ‚dampfen‘) wird hier durchgehend von smoking (dt. ‚rauchen‘) geschrieben, dabei liegt seit Anbeginn der E-Zigarette genau hierbei der Unterschied zu normalen Zigaretten. Ob diese Ungenauigkeit wirklich Aufschluss auf die Richtigkeit der Testergebnisse gibt, sei aber dahingestellt.

Übertragung von Mäusen auf Menschen

Nicht nur von Seiten der „Betroffenen“, sondern auch aus Wissenschaftlerkreisen kommt die Kritik der problematischen Übertragbarkeit der Ergebnisse. Es wurde an Mäusen und an menschlichen Zellen in Petrischalen geforscht. In einem ‚Antwortartikel‘ auf die Studie heißt es dazu: „[…] Tierversuche und in vitro Studien neigen zu chronischem und hochdosiertem Ausgesetztsein [der Testobjekte] und kommen der Art des Ausgesetztseins des menschlichen Dampfens nicht nahe, was zu extremer Überbewertung führt.“ (aus dem Englischen übertragen)

 

Giftstoffe in der E-Zigarette – krebserregend?

Soweit man zu wissen scheint, dürfte das Nikotin der E-Zigarette ähnliches bewirken, wie das einer Tabakzigarette. Zuvor war vielfach die Meinung verbreitet, die Verbrennungsstoffe seien für die vermehrte Bildung von Krebszellen verantwortlich.

Was am Nikotin ist genau karzinogen?

Eine weitere Studie, die in den „Proceedings of the National Academy of Science of the United States of America” veröffentlicht wurde, statuiert, dass Nikotin allein nicht karzinogen ist. Es kann aber zu einer Form von N-Nitrosaminen verstoffwechselt werden. Einige dieser Nitrosamine (beispielsweise N-Nitrosonornikotin) wirken karzinogen.

Welche Rolle spielt DNA-Methylierung?

Unter DNA-Methylierung versteht man eine chemische Abänderung einzelner Grundbausteine der DNA. Es handelt sich dabei aber nicht um eine Mutation, sondern ‚lediglich‘ um eine Modifikation. Das Grundgerüst der DNA bleibt bestehen und die Methylierung ist sozusagen nur dafür verantwortlich, wie das Genom gelesen wird und wie demnach die Proteine gebildet werden.

Je nachdem, welcher Teil der DNA modifiziert wird, ergeben sich verschiedene Konsequenzen. Es wird spekuliert, das eine dieser Konsequenzen die Tumorbildung ist, wobei nicht sicher ist, wie die Zusammenhänge diesbezüglich sind. Es wird gerade erforscht, ob die DNA-Methylierung Ursache, oder Konsequenz von Tumoren sind – eine typische Huhn-oder-Ei-Frage. Was war zuerst da.

 

Fazit – nichts ist sicher, leider.

Die Forschung ist eifrig daran, Ergebnisse zu liefern, die über die gesundheitlichen Folgen von E-Zigarettenkonsum aufklären. Vielleicht mitunter ein bisschen zu eifrig, denn die gegensätzlichen Schlussfolgerungen lassen vermuten, dass keine wirklich objektiven Untersuchungsbedingungen herrschen. Bis endlich verlässliche Antworten zu Tage treten, werden wohl noch etliche Jahre vergehen – Langzeitstudiendauer eben.

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