Nikotinüberdosis und Dampfen

28.04.2017 00:41:47 Themen

Bild: flickr.com // Stefano Brivio // CC BY 2.0

Das Netz wimmelt nur so von Aussagen und Gerüchten über das Thema Dampfen, doch nicht alles davon ist wahr. Vor allem neue Dampfer sind häufig wegen einer Überdosis an Nikotin besorgt. Doch was ist dran am giftigen Ruf von E-Zigaretten? Kann man durch Dampfen tatsächlich eine Nikotinvergiftung bekommen? Wir trennen die Tatsachen von den Gerüchten.

Der Nikotin-Mythos

Es ist durchaus sinnvoll, zuerst einen weit verbreiteten Mythos zu erwähnen, der schon lange herumkursiert. Die tödliche Dosis von Nikotin soll angeblich zwischen 30 und 60 mg liegen, zumindest bei ungefähr der Hälfte der betroffenen Personen.

Im Fall von E-Zigaretten sprechen wir hier also von 4 Millilitern eines E-Liquid mit 12mg/ml. Bei dieser Rechnung muss man aber bedenken, dass unser Körper Nikotin sehr schnell verarbeitet – genauer gesagt, sinkt der Nikotinspiegel in unserem Blut nach zwei Stunden etwa um die Hälfte. Das bedeutet also, man müsste diese Dosis praktisch in einem Zug konsumieren. Und das ist eigentlich gar nicht möglich.

Welche Nikotindosis ist gefährlich?

Zusätzlich muss man sich jetzt also fragen, ob denn diese Angabe einer giftigen Nikotindosis überhaupt korrekt ist – denn dazu wurde einige Kritik laut. Beispielsweise soll Bernd Mayer Fälle nachgewiesen haben, in denen viel größere Mengen an Nikotin aufgenommen wurden. Die Symptome waren dabei minimal! Im Blut von Nikotinopfern wurde außerdem ein Nikotinwert gefunden, der 20 Mal höher war, als der in existierenden Richtlinien. Mayer zufolge liegt die tödliche Nikotindosis also weit höher, nämlich zwischen 500 und 1000mg.

Dieses Beispiel zeigt gut, dass sehr verschiedene Meinungen zu diesem Thema verbreitet sind. Zur tatsächlichen Nikotinmenge hilft Dampfern dieser Vergleich:

  • E-Liquid: 18 mg Nikotin pro 1 ml Flüssigkeit

  • Zigarette: 14 mg Nikotin pro 1 g Tabak

  • Zigarettenrauch: 1 mg Nikotin im Tabakrauch

Verursacht Dampfen eine Nikotinüberdosis?

An dieser Stelle kann man gleich beruhigt sein. Denn das Dampfen ist vor allem eines: selbstregulierend! Bevor es also zu einer Nikotinüberdosis kommt, hört man schon von selbst auf zu dampfen. Denn so angenehm ist das auch wieder nicht. Normalerweise dampft man nur so viel, wie man eben braucht und nicht mehr. Dennoch können bei einer zu langen Dampfsession vor allem von Aromen mit hohem Nikotingehalt mitunter folgende Symptome auftreten:

  • Schwäche, Müdigkeit, Kopfschmerzen

  • Übelkeit, Schwindel, Erbrechen

  • Innere Unruhe, Verwirrung, Desorientierung

  • Zittern, Muskelzucken

  • Herzrasen, heftiges Herzklopfen

  • Wahrnehmungsstörungen (Probleme mit Hör-und Sehvermögen)

Treten diese Zeichen auf, hat man bestimmt etwas zu viel Nikotin auf einmal gedampft. Das ist allerdings von einer schwerwiegenden Nikotinvergiftung weit entfernt! Beobachtet man diese Symptome allerdings regelmäßig, tut man gut daran, den Nikotinlevel zurückschrauben, beziehungsweise seinen Konsum zu reduzieren. Hört man nicht auf, oder es gelangt E-Liquid auf die Haut, können auch Bauchkrämpfe, ein erhöhter Speichelfluss und Durchfall die Folge sein.

Die schwerwiegendsten Folgen einer Nikotinvergiftung sind für Dampfer sehr unwahrscheinlich, sollten aber trotzdem kurz erwähnt werden: Koma, Krampfanfälle, verlangsamter Puls und im allerschlimmsten Fall Herzstillstand. Nikotin ist also nicht so giftig, wie die meisten Mythen behaupten, aber dennoch unbestreitbar giftig!

Am allerbesten macht man sofort eine Pause, wenn man anfängt sich unwohl zu fühlen. Erfahrungsberichten zufolge, verabschieden sich die Nebenwirkungen dann relativ schnell von selbst. Tun sie das nicht, muss natürlich ein Arzt hinzugezogen werden. Bei leichten Symptomen helfen natürlich schon gängige Hilfsmittel gegen Kreislaufprobleme, wie das Hochlegen der Füße, oder man lässt kühles Wasser über die Hände laufen. Man muss beim Dampfen also im Prinzip nur auf sein Gefühl hören, dann vermeidet man solche Symptome ganz einfach und automatisch.

Keine Nikotinvergiftung durch Dampfen

Die große Frage ist nun: könnte man sich willentlich eine Nikotinüberdosis er-dampfen? Die erste Voraussetzung sind einmal die 500mg an Nikotin, die zweite Bedingung ist die Aufnahme in einem Zeitraum von ein paar Stunden. Man müsste also beispielsweise über 40ml eines 12mg/ml-Liquids dampfen, um die 500mg an Nikotin aufzunehmen. Realistisch gesehen, ist das in einigen Stunden nicht möglich!

Um überhaupt eine Vergiftung zu erreichen, müsste man schon bei einem 18mg/ml E-Liquid eine Dosis von 28ml in kürzester Zeit dampfen. Kurz gesagt: benutzt man E-Zigaretten ganz normal wie beabsichtigt, kann man keine Nikotinüberdosis bekommen – und es ist auch körperlich gesehen sehr unwahrscheinlich, dass das beim Dampfen überhaupt möglich ist.

Fazit

Eine Nikotinüberdosis durch Dampfen ist sehr unrealistisch. Man kann allerdings beim extremen Dampfen von E-Liquids mit hohem Nikotingehalt einige Symptome einer Nikotinvergiftung aufzeigen. Bei der Nutzung von E-Zigaretten im normalen Rahmen, muss man sich aber keine Sorgen um eine Nikotinüberdosis machen. Man sollte die vielen Risiken des giftigen Nikotins allerdings immer ernst nehmen.

 

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